19.03.2018

Rückblick Deutscher Brückenbaupreis 2018

Filmbeitrag zum nominierten Pilotprojekt Greißelbach von SSF Ingenieure und Max Bögl

Im zweijährigen Turnus loben die Bundesingenieurkammer und der Verband Beratender Ingenieure VBI den Deutschen Brückenbaupreis für herausragende Bauingenieurleistungen aus. Am 12. März 2018, dem Vorabend des Dresdener Brückenbausymposiums, wurden die Preisträger in einer Festveranstaltung mit 1.200 Gästen ausgezeichnet.

 

Das Pilotbauwerk Greißelbach, das von SSF Ingenieure zusammen mit der Firma Max Bögl entwickelt und realisiert wurde, war eine von drei nominierten Brücken in der Kategorie "Straßen- und Eisenbahnbrücken". Im Filmbeitrag, der im Rahmen der Preisverleihung ausgestrahlt wurde, verdeutlichen die Juroren die Besonderheit des Bauwerks: Die Straßenbrücke demonstriere in kleinem Maßstab das modulare Bauen mit Fertigteilen und damit die schnelle und wirtschaftliche Ausführung robuster Konstruktionen. Diese Attribute machen das Pilotprojekt nach Ansicht der Jury zu einem Wegweiser für zukünftige Entwicklungen im Ingenieurbau.

 

Den Deutschen Brückenbaupreis 2018 erhielten die Bleichinselbrücke Heilbronn (Ingenieurbüro sbp schlaich bergermann partner) in der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ und die Schaukelbrücke Weimar (Klassikstiftung Weimar und Weimarer Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung) in der Kategorie „Fuß- und Radwegbrücken“. Wir gratulieren den Preisträgern zu dieser besonderen Auszeichnung!

 

 

 

Der begleitende Text zum Video:

(Textredaktion: Ines Bronowski, Verband Beratender Ingenieure, und Jost Hähnel, Bundesingenieurkammer)

 

Das Pilotbauwerk im Kreuzungsumbau bei Greißelbach

 

Eine immer wiederkehrende Aufgabe im Ingenieurbauwesen ist der Umbau von unfallträchtigen Kreuzungen. Bei diesem Pilotprojekt nahe Greißelbach bewirkt der Umbau, dass die stark befahrene B299 nun unterhalb einer neuen Segmentbrücke und die kreuzende Staatsstraße über einen Kreisverkehr auf diese Brücke geleitet wird. So entsteht eine kreuzungsfreie Überführung, die auch für schwächere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer mehr Sicherheit bieten kann.

 

Was macht diese Verkehrsmaßnahme so außergewöhnlich?

Anstelle einer Standardlösung ist hier ein Brückenbauwerk entstanden, das mit einer Vielzahl von Innovationen aufwartet. Durch den Einsatz vorgefertigter modularer Bauelemente konnte die Herstellung des Überbaus in kurzer Zeit realisiert werden – bei minimaler Verkehrsbeeinträchtigung und in maximaler Qualität.

 

Prof. Dr.-Ing. Annette Bögle, Jurorin 2018: „Diese Brücke ist ein echtes Ingenieur-Pilot-Bauwerk. Sie ist getrieben von technischem Fortschritt, von wirtschaftlichem Denken und hat dazu zu einer neuen innovativen technischen Lösung geführt.“

 

Zentrales Merkmal der Brücke ist die Fahrbahn aus vorgespannten Segmentplatten. Damit einher geht die konsequente Trennung von Längs- und Quertragwirkung. Das Haupttragsystem wird durch zwei Verbundfertigteilträger gebildet, die in die Widerlager eingespannt sind und einen Rahmen von 32 Meter Weite ergeben. Die Plattensegmente der Fahrbahn aus selbstverdichtendem Beton werden auf die Träger lediglich aufgelegt, mit Hilfe von Spanngliedern längs zusammengespannt und in den Widerlagern verankert. Sie kommen ohne weitere Ergänzungen aus. Die Kappen sind in den Fertigteilen monolithisch ausgeformt. Auf zusätzliche Abdichtungen und Asphalt kann dank der hohen Qualität der Betonoberfläche verzichtet werden. Dass die Fugen zwischen den Platten dicht bleiben, gewährleisten Profile die aus dem Tübbing-Tunnelbau bekannt sind. Bei Bedarf kann die Fahrbahnplatte mit wenig Aufwand ausgetauscht werden. Zusätzliche Fahrspuren sind ebenfalls einfach zu realisieren, sofern das Tragsystem dafür ausgelegt ist.


MR Prof. Dipl.-Ing. Karl Goj, Juror 2018: „Das Problem bei unseren Brücken ist ja immer, dass wir relativ lange Sanierungszeiten haben und mit diesem Konzept hoffen wir, dass wir in wenigen Tagen den kompletten Überbau erneuern können.“


Das Pilotprojekt entstand aus der gemeinsamen Initiative eines Bauunternehmens und eines Ingenieurbüros und belegt einmal mehr die Innovationskraft der Branche. Hier wird in kleinem Maßstab demonstriert wie durch modulares Bauen mit Fertigteilen robuste Konstruktionen schnell und wirtschaftlich realisiert werden können. Damit ist das Pilotprojekt wegweisend für zukünftige Entwicklungen.


Dr. Ing. Jeannette Ebers-Ernst, Jurorin 2018: „Die Greißelbachbrücke ist aus meiner Sicht ein hervorragendes Beispiel dafür, dass wir wesentlich mehr Innovation im Bauwesen brauchen, um auch zukunftsweisend bauen zu können.“